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14.01.2020

1,3 Millionen Euro für Medizinforschung

Von Behring-Röntgen-Stiftung unterstützt elf Projekte in Gießen und Marburg

Marburg - Zum 13. Mal hat die Von Behring-Röntgen-Stiftung Fördermittel für medizinische Forschungsprojekte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg bewilligt. Über insgesamt 1,3 Millionen Euro für elf Forschungsvorhaben mit Laufzeiten bis zu drei Jahren konnten sich die Begünstigten freuen. Stellvertretend für ihre Arbeitsgruppen nahmen die Projektsprecher heute die Förderurkunden aus den Händen von Stiftungspräsident Friedrich Bohl entgegen.  

 

 

Allen Grund zur Freude hatten die Projektbeteiligten bei der Übergabe der Förderurkunden für ihre Forschungsprojekte. © Christian Stein
Allen Grund zur Freude hatten die Projektbeteiligten bei der Übergabe der Förderurkunden für ihre Forschungsprojekte. © Christian Stein

Die Gelder stehen ab 2020 für Forschungsvorhaben von Nachwuchswissenschaftlern sowie Kooperationsprojekte mit Beteiligung von Wissenschaftlern bereit, die unter anderem an Themen aus den Bereichen der Virologie und Lungenforschung arbeiten. Außerordentliche Förderung erfahren drei Projekte aus dem Bereich der Herz- und Nierenforschung, die durch die Zustiftung eines Alsfelder Stifterehepaars in Höhe von 330.000 Euro ermöglicht werden. 

Die geförderten Projekte ab 2020 im Einzelnen 

Um die Funktion des Herzens und der Lunge zu ersetzen, können schwerstkranke Patienten mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine (extrakorporale Membranoxygenierung, ECMO) behandelt werden. Allerdings gibt es trotz moderner Techniken spezifische Probleme der ECMO-Therapie, welche in seltenen Fällen zur Sauerstoffunterversorgung des Herzens und des Hirns führen können. Dr. Emmanuel Schneck untersucht die Auswirkungen des sogenannten Harlekin-Phänomens auf die Herzfunktion. Ziel der Arbeit ist es, die Mechanismen dieses Phänomens besser zu verstehen und somit Rückschlüsse auf die Therapie beim Menschen zu schließen. Das Forschungsprojekt des Gießener Nachwuchswissenschaftlers wird mit 65.000 € gefördert. 

Dr. Ulrike Enke hat sich zum Ziel gesetzt, eine wissenschaftliche Biographie des Arztes, Unternehmensgründers und Namensgebers der Stiftung, Emil von Behring (1854 – 1917), zu erstellen. Emil von Behring gehört aufgrund seiner wegweisenden Forschungsleistungen in der Serumtherapie der Diphtherie und des Tetanus bis heute zu den bedeutendsten Medizinern des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das Forschungsprojekt, das an der Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin in Marburg angesiedelt ist, wird mit 150.000 Euro unterstützt.  

Die pulmonale arterielle Hypertonie ist eine fortschreitende und bisher nicht heilbare Erkrankung, bei der der Blutdruck im Lungenkreislauf chronisch erhöht ist. Die Blutgefäße in der Lunge sind verengt, was zu einem erhöhten Widerstand der Gefäße und somit zu einem erhöhten Blutdruck führt. In seinem Forschungsprojekt möchte Dr. Aytug Kiper die Rolle des Kaliumkanals TASK-1 als neues therapeutisches Ziel für Medikamente zur Behandlung der Erkrankung untersuchen. Das Projekt des Marburger Nachwuchswissenschaftlers wird mit 105.000 Euro gefördert. 

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Herz-Kreislauferkrankungen treten oft gemeinsam auf. Zur Entstehung der Erkrankungen trägt Tabakrauchen bei. Dr. Birke Benedikter konnte bereits nachweisen, dass Lungenzellen in Reaktion auf Tabakrauch kleine Membranbläschen (extrazelluläre Vesikel) freisetzen, welche den Blutgerinnungsfaktor Tissue Factor (TF) auf ihrer Oberfläche tragen und die Bildung von Blutgerinnseln befördern. Ziel des Projektes der Marburger Nachwuchswissenschaftlerin ist die nähere Untersuchung dieser Vesikel und die Entwicklung neuer Therapieansätze für betroffene Patienten. Das Forschungsprojekt wird mit 180.000 Euro unterstützt. 

Das Ebola-Virus (EBOV) ist hoch ansteckend und verursacht schwere Fiebererkrankungen, die unbehandelt meistens tödlich sind. Die Ebola-Virus-Ausbrüche in Westafrika und in der Demokratischen Republik Kongo zeigen die hohe Gefahr des EBOV schwere Epidemien auszulösen. Dr. Nadine Biedenkopf will in ihrem Projekt die Biologie der Vermehrung des EBOV erforschen und Schnittstellen zwischen Virus und Wirt identifizieren.

Ihr Ziel ist es, neue Angriffspunkte für den Einsatz antiviraler Therapien zu finden. Das Forschungsprojekt der Marburgerin wird mit 160.000 Euro gefördert. 

Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, z.B. eine Demenz, sind bei der Parkinson-Erkrankung viel häufiger als früher angenommen. Bisher ist es nicht möglich, individuelle Voraussagen zu treffen, ob und wann ein Erkrankter eine kognitive Störung entwickeln wird. Die Lesegeschwindigkeit und die Augenbewegungen bei Parkinson-Patienten mit kognitiver Störung unterscheiden sich deutlich von Gesunden. Ziel des Projektes von Dr. Josefine Waldthaler ist es, anhand des Augenbewegungsmusters beim Lesen bereits frühzeitig eine Vorhersage über die zukünftige Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit der Erkrankten zu treffen. Das Projekt der Marburger Nachwuchswissenschaftlerin wird mit 75.000 Euro unterstützt. 

Lichen Planus ist eine häufige, chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut und Schleimhäute, deren Ursache noch nicht vollständig geklärt ist. Man geht davon aus, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt, die sich gegen bestimmte Bestandteile der Haut richtet. Bisher stehen keine gezielten Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Ziel des Projektes von Robert Pollmann ist es, die immunologischen Mechanismen, die an der Entstehung von entzündlichen Hauterkrankungen beteiligt sind, besser zu verstehen, um neue Therapieoptionen zu ermöglichen. Insgesamt stehen 125.000 Euro für das Marburger Nachwuchsprojekt zur Verfügung. 

Chronische Hypoxie der Nieren oder der Lungen führt häufig zu chronischem Nieren- bzw. Lungenversagen. Ziel des Projektes von Prof. Dr. Martin Kömhoff und Prof. Dr. Ralph Schermuly ist die Aufklärung der Rolle der Gene MAGED2 und HIF1a. Diepharmakologische Manipulation der Gene stellt möglicherweise einen wesentlichen Therapieansatz bei hypoxischem Nieren- und Herzkreislaufversagen dar. Das Forschungsprojekt wird mit 120.000 Euro gefördert. 

Projekte aus dem Bereich der Herz- und Nierenforschung 

Auffällige Befunde in der Pränataldiagnostik, d.h. der vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchung, schließen häufig Fehlbildungen der Nieren- und ableitenden Harnwege ein. Fehlbildungen der Harnröhre und der unteren Harnwege führen dabei zu schweren Krankheitsverläufen mit Fruchtwassermangel, Lungenminderfunktion und chronischer Niereninsuffizienz. Durch fetalchirurgische Eingriffe lässt sich bei einem Teil der Kinder die Sterblichkeit nach Geburt deutlich senken. Die Marburgerin Prof. Dr. Stefanie Weber und ihr Gießener Kooperationspartner, Prof. Dr. Roland Axt-Fliedner, wollen in ihrem Projekt pränatale Einflussfaktoren und biologische Marker bestimmen, die eine Prognoseabschätzung erlauben und eine Auswahl der Kinder ermöglichen, die von der Fetalchirurgie profitieren. Das Forschungsprojekt wird mit 125.000 Euro gefördert. 

Eine Nierenfibrose ist die Folge chronischer Nierenerkrankungen, die unbehandelt zu einem fortschreitenden Nierenversagen mit Dialysepflicht führt. Effektive Therapieoptionen bestehen bisher nicht. Bei der Entwicklung von Fibrose spielen Makrophagen eine wichtige Rolle. Andreas Hofmeister hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Funktion und nierenschädigende Bedeutung durch Anwendung innovativer Technologien besser zu verstehen, um neuartige Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Das Projekt des Marburger Nachwuchswissenschaftlers wird mit 100.000 Euro gefördert. 

Die diabetische Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels infolge eines Diabetes mellitus. Die Ursachen für den Untergang von Herzmuskelgewebe könnten auf eine Fehlfunktion von Stoffwechselwegen der Zucker- und Fettverwertung im Herzmuskel zurückzuführen sein. Prof. Dr. Heinrich Sauer und Dr. Fatemeh Sharifpanah wollen in diesem Projekt Herzmuskelzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen von Patienten züchten und versuchen, die entgleisten Stoffwechselwege durch pharmakologische Intervention zu normalisieren. Hierdurch sollen neuartige Behandlungsstrategien für die Behandlung des Diabetes mellitus entwickelt werden. Das Forschungsprojekt der Gießener Wissenschaftler wird mit 100.000 Euro gefördert.

 

Quelle: Pressemitteilung der Von Behring-Röntgen-Stiftung

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