Zirkularitätsrate in der EU steigt – aber immer noch langsam
Wenn Unternehmen in den Niederlanden ein Produkt fertigen, greifen sie bereits zu fast einem Drittel auf Recyclingmaterialien zurück. In Rumänien hingegen findet dieser Prozess fast nicht statt; die Wirtschaft dort bedient sich beinahe ausschließlich an Primärressourcen aus der Natur. Die Entwicklung der europäischen Kreislaufwirtschaft ist nach wie vor ein Projekt unterschiedlicher Geschwindigkeiten. Während einige Länder das Recycling vorantreiben, verharrt ein Großteil des Kontinents in linearen Mustern.
Die aktuellen Zahlen, die die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch für das Jahr 2024 veröffentlicht hat, bestätigen den Trend. Die Niederlande führen das Ranking mit einer Zirkularitätsrate von 32,7 Prozent unangefochten an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Belgien mit 22,7 Prozent und Italien mit 21,6 Prozent. Deutschland liegt mit einer Quote von 14,8 Prozent auf Platz neun (2023: 14,5 Prozent).
Am unteren Ende der Skala steht Rumänien mit einer Quote von lediglich 1,3 Prozent. Auch Finnland und Irland (jeweils 2,0 Prozent) sowie Portugal (3,0 Prozent) liegen weit abgeschlagen zurück.
Die Zirkularitätsrate misst das Verhältnis von recycelten Stoffen zur gesamten Materialnutzung einer Volkswirtschaft. Im Durchschnitt der Europäischen Union lag die Quote 2024 bei 12,2 Prozent. Das ist zwar der höchste jemals verzeichnete Anteil. Doch der Fortschritt ist marginal. Im Vergleich zum Vorjahr 2023 kletterte die Quote lediglich um 0,1 Prozentpunkte. Betrachtet man den längerfristigen Trend seit 2015, so ist die Quote um gerade einmal 1,0 Prozentpunkte gestiegen.
Immerhin ist es 21 EU-Ländern gelungen, ihre Zirkularitätsrate zwischen 2015 und 2024 zu steigern. Spitzenreiter im Wachstum ist Malta mit einem Plus von 14,0 Prozentpunkten (2024: 18,6 Prozent). Deutliche Zuwächse verzeichneten auch Estland (+9,1 Prozentpunkte), Tschechien (+7,9 Prozentpunkte), die Slowakei (+7,2 Prozentpunkte) und die Niederlande (+5,3 Prozentpunkte).
In sechs EU-Ländern war die Entwicklung hingegen rückläufig. Besonders betroffen sind Polen, wo die Quote um 4,2 Prozentpunkte sank, und Finnland mit einem Minus von 3,2 Prozentpunkten.
Noch weit weg vom Ziel für 2030
Ein Blick auf die Materialarten zeigt, welche bereits in der Kreislaufwirtschaft angekommen sind. Mit 23,4 Prozent lag die Zirkularitätsrate bei Metallerzen 2024 am höchsten, wenngleich sie im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte sank.
Ganz anders sieht es bei fossilen Energieträgern aus. Hier lag die Quote laut Eurostat bei lediglich 3,8 Prozent (+0,4 Prozentpunkte). Auch bei Biomasse (9,9 Prozent) und nichtmetallischen Mineralien wie Sand oder Kies (14,3 Prozent) bleibt das Potenzial oft ungenutzt.
Die aktuellen Daten sind ein Weckruf für die politische Führung in Brüssel. Der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft aus dem Jahr 2020, ein Kernstück des europäischen „Green Deal“, hat ein klares Ziel definiert: Die Zirkularitätsrate der EU soll sich bis 2030 auf 23,2 Prozent verdoppeln.
Angesichts des aktuellen Tempos wirkt dieses Vorhaben ambitioniert, wenn nicht gar unrealistisch. Um die Marke von 23,2 Prozent zu erreichen, müsste die Wirtschaft in den verbleibenden vier Jahren einen Sprung vollziehen, der den Fortschritt der letzten Dekade um ein Vielfaches übertrifft.