Raumfahrt „made in Hessen“
Hochschulgruppe TUDSaT stellt Satelliten TRACE fertig
TRACE ist ein von Studierenden entwickelter 2U CubeSat – ein standardisierter Kleinsatellit in Würfelform –, der mehrere wissenschaftliche, technologische und ausbildungsbezogene Missionen vereint. Nach aktuellem Kenntnisstand wird TRACE der erste universitäre Satellit aus Hessen sein, der in den Orbit gelangt und stellt damit einen besonderen Meilenstein für den Wissenschafts‑ und Hochschulstandort Hessen dar, wie TUDSat mitteilt.
Zu den Missionszielen von TRACE zählen die Validierung von Spin‑In‑Technologien (Technologien, die aus anderen Bereichen, zum Beispiel aus der Industrie, für die Raumfahrt angepasst und dort getestet werden), die Erprobung einer bodengestützten Lagebestimmung mittels Reflexionsmustererkennung, die Messung geladener Teilchen sowie Gammastrahlung im Low Earth Orbit, eine Kameramission zur Aufnahme von Bildern Darmstadts aus dem All sowie die spätere Nutzung des Satelliten als akademische Experimentier‑ und Lehrplattform. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist zudem die praxisnahe Vermittlung von Kompetenzen in den Bereichen Systemengineering, Softwareentwicklung und Satellitenbetrieb an Studierende.
Von der Konzeption zum flugfähigen System
Das TRACE‑Projekt wurde in seiner aktuellen Form 2022 gestartet. Bereits 2023 konnte das Preliminary Design Review (PDR) erfolgreich abgeschlossen werden, gefolgt vom Critical Design Review (CDR) im Jahr 2024. Im Jahr darauf begann die intensive Phase der Assembly‑ und Qualifikationsaktivitäten. In diesem Zeitraum wurden sämtliche Subsysteme beschafft, integriert und einzeln wie auch gesamtheitlich funktional getestet.
Parallel dazu entstand mit dem TRACE FlatSat V1 ein vollständiges elektrisches Referenzmodell des Satelliten. Dieser sogenannte FlatSat dient der Validierung des elektrischen Systems sowie der Entwicklung und Erprobung der On‑Board‑Software und bildet eine zentrale Grundlage für den späteren Betrieb im Orbit.
Die finale Montagephase des Flugmodells fand zwischen Herbst 2025 und Januar 2026 statt. In insgesamt drei Assembly‑Kampagnen integrierte das Team die gekauften sowie eigenentwickelten Komponenten in der Reinraumeinrichtung des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung. Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Arbeiten wurde TRACE am 14. Januar 2026 als vollständig integrierter Satellit fertiggestellt.
Start ab Ende 2026 und Betrieb aus Darmstadt
Als nächster Schritt wird TRACE Ende Februar 2026 am European Space Security and Education Centre (ESEC) der European Space Agency (ESA) eine Testphase durchlaufen. Diese Tests werden durch das ESA FYS! Test Opportunity Programme ermöglicht. Ein möglicher Start von TRACE ist bereits durch die EU-Kommission im Rahmen der European Flight Ticket Initiative finanziert, aktuell wird die konkrete Mission und Startgelegenheit abgestimmt. Der Launch wird für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 erwartet. Nach dem Start soll TRACE vollständig vom eigenen Satellitenbetriebszentrum an der TU Darmstadt und über die vereinseigene Bodenstation betrieben werden.
Das TRACE‑Projekt wird finanziell und fachlich von Serco, insbesondere im Bereich des Bodensegments, unterstützt. Zudem wurde es im Rahmen der ”Kleinsatelliteninitiative” des Deutschen Zentrums für Luft‑ und Raumfahrt e.V. (DLR) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Flugsysteme und Regelungstechnik der TU Darmstadt sowie dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung realisiert.