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16.03.2026

Letzte Option Phagen – wenn Antibiotika nicht helfen können

Universitätsmedizin Frankfurt startet neues Angebot

Wenn Antibiotika versagen, wird es für die Medizin schnell herausfordernd und für die Patienten belastend. Multiresistente Erreger und hartnäckige Infektionen gehören immer noch weltweit zu den größten Herausforderungen im Gesundheitswesen. An der Universitätsmedizin Frankfurt setzt man deshalb seit Februar 2026 in ausgewählten Fällen verstärkt auf eine Therapie, die eigentliche schon über 100 Jahre alt ist und gerade ein Comeback erlebt: die Behandlung mit Bakteriophagen.

Seit Februar können Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren Infektionen erstmals auf eine Testung und – in geeigneten Fällen - auf eine ergänzende Therapie hoffen. Das Angebot richtet sich zunächst vor allem an Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa, das häufig besonders resistent gegenüber Antibiotika ist.

Bakteriophagen – kurz Phagen – sind Viren, die gezielt Bakterien angreifen. Sie docken an die Erreger an, vermehren sich und zerstören diesen gezielt von innen heraus. Diese Präzision macht sie für die Medizin interessant - vor allem dann, wenn herkömmliche Antibiotika nicht ausreichend wirken oder wenn die Bakterien schwer zugängliche Infektionsherde bilden. Frankfurt und Köln koordinierten die erste bundesweite Leitlinie zur Phagentherapie, die S2k-Leitlinie, welche im Jahr 2025 verabschiedet wurde und klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards definiert.

Die Universitätsmedizin Frankfurt nimmt hier eine Vorreiterrolle ein: Mit dem Aufbau eines spezialisierten Phagenlabors im Schwerpunkt Infektiologie wurde die Grundlage geschaffen, diese Therapie auch unter deutschen Standards verfügbar zu machen. Dort prüfen Expertinnen und Experten zunächst, ob die Erreger eines Patienten überhaupt auf vorhandene Phagen reagieren.

Diese Neuerungen werden von verschiedenen Fördermittelgebern unterstützt: „FORMPHAGE – Sichere pharmazeutische Formulierungen für die stabile Verfügbarkeit von Bakteriophagen“ in Zusammenarbeit mit der Central Apotheke Steinbach, Fördernummer: 1689/24–36, gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur im Rahmen der LOEWE-Förderlinie 3; „PhageSurf“, Fördernummer: TTU08.833_00, gefördert durch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF); „INITIALIZE – Advanced Clinician Scientist Program“, Fördernummer: 01EO2102, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Um systematisch Daten zur Phagentherapie in Deutschland zu erfassen und deren Sicherheit sowie Wirksamkeit wissenschaftlich zu untersuchen, stellt die Universitätsmedizin Frankfurt nun ein deutsches Register bereit. Es wurde zur leitliniengerechten Dokumentation etabliert und basiert auf einem über mehrere Jahre gemeinsam mit Fachleuten entwickelten Datensatz. Das Register ermöglicht sowohl prospektive als auch retrospektive Datenerhebungen, lokale Fallanalysen sowie die anonymisierte Einbindung in das internationale Phagistry-Register. Für eine mögliche Indikationsprüfung ist vorab eine Kontaktaufnahme notwendig. Informationen zum Ablauf finden sich auf der Website der Universitätsmedizin Frankfurt:

Weitere Informationen

Die fachliche Verantwortung liegt bei Professorin Dr. Maria Vehreschild und PD Dr. Silvia Würstle.

 

Über das Forschungsförderprogramm LOEWE

LOEWE ist das hessische Programm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur zur Förderung von Spitzenforschung. Die Abkürzung steht für Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz.

Die LOEWE-Förderlinie 3 fördert die Entwicklung von Innovationen durch die Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft HA Hessen Agentur GmbH fungiert hierbei als Projektträgerin.

Foto: Stefaniya Gencheva
Stefaniya Gencheva
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Dr. Stefaniya Gencheva

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