Circularity Gap Report: So viel kostet die lineare Wirtschaft
Es ist eine Zahl, die selbst erfahrene Ökonomen stutzen lässt: 25,4 Billionen Euro. So viel Wert vernichtet die Weltwirtschaft nach einer neuen Analyse Jahr für Jahr, weil sie Materialien benutzt und wegwirft, statt sie im Kreislauf zu führen. Das sind rund 31 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts – von jedem erwirtschafteten Euro gehen umgerechnet 31 Cent wieder verloren.
Vorgestellt wurde die Zahl am Donnerstagnachmittag in einer einstündigen Online-Präsentation. Die Organisation Circle Economy und Deloitte Netherlands veröffentlichten dort die neue Ausgabe ihres jährlichen Circularity Gap Report. Neu ist vor allem der Maßstab: Erstmals rechnen die Autoren die Kosten der linearen Wirtschaft nicht in Tonnen Abfall oder Gigatonnen CO2 um, sondern in Euro.
Fünf Quellen für den Milliardenverlust
Die Autoren nennen ihre Kennzahl den „Value Gap“, die Wertlücke. Sie speist sich aus fünf strukturellen Verlustquellen: Verluste bei der Verarbeitung von Rohstoffen, Energieverluste, weggeworfene Lebensmittel, Abfälle – und der vorzeitige Wertverlust von Anlagevermögen. Gemeint sind Maschinen, Anlagen und technische Ausrüstung, die lange vor dem Ende ihrer eigentlich möglichen Lebensdauer ausgetauscht werden.
Die zentrale These des Reports betrifft die Natur dieser Verluste. Sie entstehen nach Einschätzung der Autoren nicht durch vereinzelte Ineffizienzen im Materialmanagement, sondern durch die grundlegende Architektur der heutigen linearen Wirtschaft. Mit anderen Worten: Die 25 Billionen Euro gehen nicht durch punktuelle Mängel im operativen Geschäft verloren, sondern durch die Konstruktion des Wirtschaftsmodells selbst. Notwendig sei daher eine grundlegende Neugestaltung der Art und Weise, wie Materialien beschafft, genutzt, aufbewahrt und in der Wirtschaft zirkuliert werden.
Der Umweltverband WWF sieht sich durch den neuen Report bestätigt. Rebecca Tauer, beim WWF zuständig für Kreislaufwirtschaft, spricht von einem „ökonomischen Offenbarungseid“. Das heutige Wirtschaftssystem zerstöre systematisch Wert, in einem Ausmaß, „das selbst im begrenzten Rahmen des BIP als Messgröße riesig ist“. Allein rund 10 Billionen Euro gingen verloren, weil Produkte zu früh im Müll landen, obwohl noch Wert in ihnen steckt.
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) müsse „endlich verbindlich umgesetzt werden“, fordert Tauer. Die schwarz-rote Bundesregierung dürfe die Strategie „nicht länger als Sammlung kurzfristiger Maßnahmen behandeln, sondern muss sie zum Kernstück ihrer Wirtschaftspolitik machen“.
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