Aus dem Hochtemperaturspeicher wird ein Spin-off
THM lizensiert Technologie des FlexQuartiers an drei Gründer
Was auf einem Gelände der Stadtwerke Gießen als Prototyp begann und auf der Philosophenhöhe Praxistauglichkeit erlangte, ist nun ein erwerbbares Produkt zur Elektrifizierung industrieller Hochtemperaturwärme: Die THM hat den drei Gründern Dr. Felix Holy, Michel Textor und Falco Krell die Technologie zum Bau und Betrieb von Hochtemperaturspeichern lizensiert.
Die Gründer sind Eigengewächse der THM, haben große Teile ihrer Energietechnik-Studien an der Hochschule absolviert, Holy auch seine – noch frische – Promotion. Sie waren als Studenten wie als wissenschaftliche Mitarbeiter an Planung, Konstruktion und Betrieb des Hochtemperaturspeichers im FlexQuartier beteiligt. Und sie sind von der Technologie und ihrer Marktreife so überzeugt, dass sie sie nun der Industrie anbieten wollen.
„Ich denke, die aktuelle Energiekrise bringt viele Unternehmen zum Umdenken“, sagt Krell. Der Hochtemperaturspeicher ist das Herz des Gebäudes K10 der THM auf der Gießener Philosophenhöhe. Es wandelt überschüssige Energie, etwa ungenutzten Solarstrom, in Wärme und gibt diese später wieder ab. Bis zu 1200 Grad heiß wird das Innere des Speichers. Diese Hitze, gespeichert in einem speziell entwickelten, luftdurchflossenen Steinblock-System, kann als Prozesswärme direkt genutzt werden oder eine Turbine zur Verstromung antreiben.
Bei Industrieunternehmen mit hohem Wärmebedarf sehen die Gründer ihr vorrangiges Kundenpotenzial. „Für die technische Trocknung beispielsweise ist unser Ansatz ideal“, sagt Textor – ein Prozess, der auch heute noch weitgehend fossil betrieben wird. Es gebe eine Vielzahl von Prozessen, die nur wegen ihrer leichten Verfügbarkeit auf der Verbrennung fossiler Energieträger beruhten und relativ leicht zu ersetzen seien. „Wir benötigen im Grunde nur einen Aufstellplatz mit ausreichend Strom – idealerweise erneuerbar oder über einen entsprechend starken Netzanschluss“, erklärt Holy – an vorhandener Maschinerie und bestehenden Prozessen müsse meist kaum etwas geändert werden.
THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems, der die Patentlizenzen unterzeichnete, zeigte sich überzeugt von der Konkurrenzfähigkeit des Hochtemperaturspeichers. „Was angewandte Forschung tatsächlich bedeutet, zeigen Projekte wie dieses: Sie kommt direkt bei Menschen und der Wirtschaft an und leistet – wie hier – im besten Falle auch einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft.“ Er wünschte den Gründern, die mit reduzierter Stundenzahl auch weiter an der THM angestellt bleiben, beim Aufbau des Unternehmens viel Erfolg. Dass die lizensierte Erfindung funktioniere, beweise das Flexquartier im Tagesbetrieb. Dort wird die Technologie, neben anderen, wie der Batteriespeicherung und der Wasserstoff-Gewinnung aus überschüssigem Grünstrom, auch zu Forschungs- und Lehrzwecken genutzt. Entsprechend dimensioniert ist das Gebäude K10 mit integrierter Leitwarte. Die Kundenlösung des „Powerlith“ genannten Unternehmens ist deutlich kompakter bemessen und soll in der Regel kein eigenes Gebäude benötigen.
Dr. Felix Holy, Michel Textor und Falco Krell rechnen mit einer kundenseitig nötigen Investitionsbereitschaft im niedrigen Millionen-Bereich. „Wenn alle Randbedingungen stimmen, rechnen wir mit Amortisationszeiten von bis zu drei Jahren“, ist Textor auch von den wirtschaftlichen Vorteilen des Hochtemperaturspeichers überzeugt.