News

Wir informieren Sie über aktuelle Projekte, Trends, Veröffentlichungen, Fördermöglichkeiten und weitere interessante Neuigkeiten aus den Innovationsfeldern des Technologielandes Hessen. 

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Abonnieren Sie unseren kostenfreien, monatlich erscheinenden Newsletter! Einen Rückblick auf die vergangen Ausgaben finden Sie in unserem Newsletter-Archiv

19.05.2026

Der LEON 2026 im Rückblick

Am 6. Mai hat der Kongress für eine starke Wirtschaft erfolgreich Premiere gefeiert. Tauchen Sie jetzt noch einmal in die Atmosphäre ein: Film und Kongressbericht sind online.

Am 6. Mai 2026 wurde im Casals Forum Kronberg eine Premiere der besonderen Art gefeiert: Erstmals trafen sich Interessierte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zum LEON, dem Kongress für eine starke Wirtschaft in Hessen. Das Konzertgebäude repräsentiert mit seiner außergewöhnlichen Architektur Transparenz, Kreativität, Begegnung sowie zukunftsweisendes Denken. Und genau dafür sollte auch der LEON 2026 stehen.

Die Veranstaltung, die diesmal Sicherheit in all ihren Facetten zum Thema hatte, stieß auf große Resonanz. Rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen, um sich von hochkarätigen Keynotes und Vorträgen inspirieren zu lassen und sich an den mehr als 30 Ständen der Ausstellung über Unternehmen, Produkte und Beratungsangebote zu informieren. Darüber hinaus boten 13 Breakout Sessions die Möglichkeit, tiefer in unterschiedliche Aspekte des Themas Sicherheit einzusteigen. Vor allem aber war der Kongress eine einzigartige Plattform für den persönlichen Austausch und intensives Networking.

Der LEON 2026 wurde von der Wirtschaftsförderung Hessen Trade & Invest GmbH im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums organisiert. Er richtete sich an Unternehmen jeder Größe und Start-ups mit Sitz in Hessen, an Universitäten und Forschungseinrichtungen des Landes sowie an alle anderen, die die Zukunft des Standorts mitgestalten wollen. Der Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck aus Darmstadt und die Landesbank Hessen-Thüringen Helaba unterstützten den Kongress als Sponsoren.

Zuversicht schaffen in herausfordernden Zeiten


Der Kongress begann mit einer Hommage an den Veranstaltungsort: Der Geiger Stefan Besan und der Pianist Utku Asan spielten einen Auszug aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Das Duo sollte das Publikum auch später nach den Pausen auf die Fortsetzung des Programms einstimmen. Moderator Prof. Guido H. Baltes, Direktor des IST Innovationsinstituts an der Hochschule Konstanz, brachte in seiner Begrüßung das Ziel des LEON 2026 mit einem Zitat des hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori auf den Punkt: „Eine starke Wirtschaft entwickelt sich nur dann, wenn wir Innovation und Tradition, Industrie und Digitalisierung, Wachstum und Sicherheit gemeinsam denken.“

In seiner Eröffnungsrede betonte Mansoori, die herausfordernden Zeiten setzten Rahmenbedingungen, auf die man sich einstellen müsse, wenn man eine starke Wirtschaft schaffen wolle. Zugleich unterstrich er die Bedeutung von Zuversicht als Basis für eine lebendige Demokratie: Aufgabe der Politik sei es auch, den Menschen das Vertrauen zu geben, dass sie selbst etwas verändern könnten. „Die Zukunft kann gut werden!“ so der Minister. „Aber es ist an uns selbst, alle Weichen zu stellen, dass es dazu kommt.“ Er wünsche sich, dass auch der Kongress Zuversicht vermittele, schloss Mansoori.

Mut zu Veränderungen statt Pessimismus


Der Ökonom Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sprach das Thema in seiner Keynote „Nach uns die Zukunft“ ebenfalls an. Doch zunächst nannte er als größte Herausforderung, dass es aktuell drei enorme Transformationen gleichzeitig gebe: in der Globalisierung, in der Technologie und im sozialen Bereich. Sowohl beim Export als auch bei der Digitalisierung bestehe für Deutschland eine zu große einseitige Abhängigkeit von den USA und China. Hier müsse man unabhängiger werden, mehr diversifizieren, Regulatorien ab- und die digitale Infrastruktur ausbauen. Das Wichtigste aber sei für ihn der soziale Aspekt, sagte Fratzscher.

Nur wenn man eine gesellschaftliche Akzeptanz für Veränderungen schaffe, könnten auch die anderen beiden Transformationen gelingen. Und dazu brauche es Zuversicht. „Die wirtschaftliche Substanz Deutschlands ist deutlich besser als die Stimmung“, so Fratzscher. Doch es herrsche ein Zukunftspessimismus, der von Politik und Wirtschaft durch schnelle Entscheidungen und mehr Mut zum Risiko durchbrochen werden müsse. Das Vertrauen in eine gute Zukunft sei essenziell – und schon der Beschluss verändernder Maßnahmen könne dieses Vertrauen stärken. Marcel Fratzscher schloss mit dem Plädoyer für eine solidarische Gesellschaft, da sie große Transformationen und Krisen besser bewältigen könne und eher zuversichtlich in die Zukunft schaue.

Impulse für die Resilienz in Unternehmen


Im Anschluss sprachen Führungskräfte aus Industrie und Mittelstand in Impulsvorträgen über unternehmerische Resilienz. Peter R. Manolopoulos, CEO des Technologiekonzerns Schunk Group, sieht in seinem Unternehmen vier Faktoren als Basis: transparente Lieferketten, Innovationen, ein breites branchenübergreifendes Produktportfolio sowie eine Unternehmensführung, die langfristig denkt und schnell entscheidet. Hans-Dieter Kemler, Mitglied des Vorstands der Helaba, erläuterte am Beispiel kommunalnaher, nicht börsennotierter Energieunternehmen, wie eine gut geplante Finanzierung zu verlässlicher Energieversorgung beiträgt. Sein Motto: Starke Wirtschaft braucht einen sicheren Rahmen.

Alexander Laukenmann, Geschäftsbereichsleiter Aviation des Flughafenbetreibers Fraport, zeigte die Komplexität von Resilienz in der Luftfahrt auf: Diese müsse nicht nur jederzeit – selbst in Krisen – funktionieren, eine belastbare Infrastruktur besitzen und wirtschaftlich stabil sein. Sondern auch auf geopolitische Veränderungen flexibel reagieren und ihre ökologische und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Um Cyberresilienz ging es im Impuls von Christoph Bernius, Bereichsvorstand Cyber Risk & Information Security der Commerzbank AG. Die Cyberkriminalität steige mit dem Umfang der Digitalisierung, das müssten sich sämtliche Branchen bewusst machen. Es gelte, auf alles vorbereitet zu sein, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. „Dieses Thema im Griff zu haben, wird in den nächsten zehn Jahren der absolute Gamechanger für Unternehmen sein“, so Bernius.

Perspektiven für die Zukunft


In der anschließenden Gesprächsrunde waren sich die Unternehmensvertreter und Minister Mansoori einig, dass Europa bei der digitalen Transformation unabhängiger von US-Anbietern werden müsse. Wenn man dabei warte, bis hierzulande alles zu 100 Prozent reguliert und ausgeplant sei, koste das zu viel Zeit. Man müsse das Wesentliche vom Unwichtigen trennen, dann seien auch 80 Prozent ein gutes Fundament. Mansoori betonte, die Politik werde ihre Aufgaben erledigen, damit sich die Wirtschaft in Zukunft weiter positiv entwickeln könne: bei der Planung von Energiekosten, im Hinblick auf Fachkräfte und beim Reformtempo.

Nach der Diskussion folgte der Impuls von Dr. Kai Beckmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung und Group CEO von Merck. Da er nicht persönlich vor Ort sein konnte, wurde ein Video gezeigt. Darin nannte Beckmann drei Gründe für die Resilienz des Unternehmens: global denken und lokal handeln, ein branchenübergreifendes Geschäftsmodell sowie verantwortungsbewusste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Anschließend zeigte er auf, wie Merck die Zukunft mitgestalten will – durch Investitionen in Forschung und Entwicklung, Stärkung der Produktionskapazitäten, den Ausbau digitaler Kompetenzen und starke Partnerschaften. Danach gehörte die Bühne Dominique Macri und Lars Ruppel, die den Vormittag mit ihrem Poetic Recording charmant und äußerst unterhaltsam in Gedichtform zusammenfassten.

Sicherheit in allen Facetten


Der Nachmittag begann mit den einstündigen Breakout Sessions, die alle sehr gut besucht waren. Zur Auswahl standen Workshops und Vorträge zu Themen wie interner Bürokratieabbau, Nachhaltigkeit, Finanzierung und Förderung, unternehmerische Resilienz, Geschäfte mit der Bundeswehr oder Cybersecurity. Veranstalter waren große und kleine Unternehmen sowie verschiedene Organisationen, Coaches und Berater.

Das Panel „Warum wir starke Kooperationen zwischen Bundeswehr, Wirtschaft und Innovationen brauchen“ griff eine Facette von Sicherheit auf, die auch in den Breakout Sessions behandelt worden war. Auf dem Podium diskutierten vier Experten aus dem Verteidigungsbereich mit Guido H. Baltes über Sicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen, erläuterte den Begriff. Es gehe um Zivilschutz, Bewegungsfreiheit und klar definierte Zuständigkeiten im Krisenfall. Das betreffe alle und müsse deshalb entsprechend vermittelt werden – es brauche Gelassenheit, Selbstsicherheit und Solidarität.

Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie BDSV, ergänzte, das Thema sei nicht nur angesichts der aktuellen Sicherheitslage wichtig. Christian Wesel, Head Defence Germany bei Daimler Truck, wies auf die Bedeutung zivil-militärischer Zusammenarbeit und europäischer Partnerschaften in der Produktion hin. Prof. Dr. Andreas Glas, Mitglied der Leitung des Arbeitsgebiets Beschaffung an der Universität der Bundeswehr München, stimmte zu: Die Erhöhung des Verteidigungsetats biete auch mehr Chancen für die zivile Industrie und für Innovationen.

Digitale Souveränität und souveräne Unternehmer aus Hessen


Nächster Programmpunkt war der Vortrag einer Expertin für Künstliche Intelligenz (KI), die sowohl Jura als auch Theologie studiert hat: Nathalia Schomerus. Sie ist Legal Innovation Lead bei Legora, einer KI-Plattform speziell für Juristinnen und Juristen. Dort beschäftigt sie sich mit der Frage: Wie können Kanzleien KI gut und sicher nutzen? Das Wichtigste dabei sei Souveränität, sagte Schomerus, doch Europa sei durch Anbieter aus den USA und China längst abgehängt. Ihre Idee: innerhalb eines eigenen europäischen Ökosystems die Anwendungsschicht – also das, was die User zu sehen bekommen – selbst zu entwickeln. Es werde mit Sicherheit teurer, doch mehr Souveränität müsse uns das wert sein: „Wenn wir die Wahl haben zwischen US-Modellen und chinesischen Modellen, dann nehme ich doch lieber die deutschen.“

Das Panel „Hessens industrielle Hoffnungsträger“ begann mit einem Video, unterlegt mit der Erkennungsmusik der Kult-Actionserie „Das A-Team“ aus den 1980er Jahren. Präsentiert wurden sechs Unternehmer aus allen Teilen Hessens mit Statements zum Thema Resilienz. Live auf der Bühne stellten sie anschließend ihre Unternehmen vor: Ponticon aus Wiesbaden fertigt und beschichtet Bauteile im 3D-Druck mit einer innovativen Technologie per Laser und Metallpulver. Die Stephan Schmidt KG aus Dornburg/Westerwald fördert im Bergbau mineralische Rohstoffe und bereitet sie auf.

ESG Solar aus Niestetal in Nordhessen bietet nachhaltige Energielösungen, JUMO aus Fulda Systeme und Lösungen für Mess- und Regeltechnik. Vacuumschmelze aus Hanau stellt magnetische Werkstoffe her, Abicor Binzel aus Buseck Schweiß- und Schneidetechnik. Die Branchen sind ganz unterschiedlich, die Erfolgsrezepte nicht: Mut zu Veränderungen und Innovationsfreude, langfristiges Denken, einfach machen statt zu jammern. Und es wird bewusst in Hessen investiert, sei es in einen E-LKW-Ladepark, in Windkraft, in ein Logistikzentrum oder in Forschung und Innovation. JUMO zum Beispiel hat in Fulda ein neues energieautarkes Werk gebaut, in nur zwei Jahren. Was CEO Dimitrios Charisiadis mit dem perfekten Schlusswort für die Runde kommentierte – dem ikonischen „A-Team“-Satz: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Zum Schluss: Ein Blick auf die industrielle Arbeit von morgen


In der Abschluss-Keynote sprach Zukunftsforscherin Carina Stöttner über die Zukunft der deutschen Industrie und der industriellen Arbeit. Sie stellte drei Szenarien vor: Bei „Deep Tech“ werde es bahnbrechende Innovationen und echte kreative Erneuerung geben. Alles sei hochautomatisiert, Menschen und kollaborative Roboter arbeiteten eng zusammen. Die Arbeitskräfte – sogenannte New Collar Worker – bräuchten nicht unbedingt einen Hochschulabschluss, um Verantwortung zu übernehmen, aber technische und soziale Fähigkeiten. Das „Apple-Modell“ basiere dagegen auf dem Prinzip: Designt in Deutschland, produziert in der ganzen Welt. Hier würden Innovationen nicht disruptiv sein, sondern Bestehendes optimieren. Die Arbeitslosigkeit werde hoch sein, da es nur noch Designer brauche und die Herstellung im Land keine Rolle mehr spiele.

Das dritte Szenario bezeichnete Stöttner als „Europe first“. Hier werde versucht werden, möglichst viele Produktionsstätten nach Deutschland zurückzuholen und höchstens das nahe Ausland zu berücksichtigen. Innovationen könnten nur frugal sein, als einfach, kostengünstig und robust. Die ehemals exportstarken Hochtechnologien würden zu Verlierern, die Grundversorger mit Lebensmitteln und Energie, aber auch die Recycling-Branche zu Gewinnern. In der Extremvariante sei der Protektionismus extrem, es gebe praktisch keine Exportumsätze. In der moderaten Variante existierten weltweit Blöcke, die aber immer noch im Austausch miteinander stünden. Was auch immer die industrielle Zukunft bringen mag: Zum Schluss unterstrich Stöttner, dass sie internationale Zusammenarbeit und Vernetzung für unverzichtbar hält.

Das Ende des LEON 2026 wurde von Dominique Macri und Lars Ruppel mit der poetischen Zusammenfassung des Nachmittags eingeleitet. Auch die beiden ließen es sich nicht nehmen, mit dem bekannten Satz zu enden: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“. Und genau das werden sich sicher auch alle im Veranstaltungsteam gesagt haben, als ein intensiver, erfolgreicher Tag bei lässiger Livemusik und Networking entspannt ausklang.

 

Zum Video

 

Impressionen LEON

Hessen Trade & Invest GmbH
Technologieland Hessen

  • Mainzer Str. 118
    65189 Wiesbaden
    Tel +49 611 95017-8672
    info@technologieland-hessen.de

  • Logo Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Projektträger: Logo Hessen Trade & Invest