Zertifizierung: E-Fuels aus Frankfurt vollständig als RFNBO eingestuft
Mit der nun erteilten Zertifizierung ist die Anlage des Karlsruher Unternehmens Ineratec die weltweit erste nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren, deren e-Fuels vollständig als RFNBO anerkannt sind. Dadurch können die Kraftstoffe auf verbindliche RFNBO-Unterziele in Verkehr, Luftfahrt und Industrie angerechnet werden.
ISCC EU zählt zu den von der EU anerkannten freiwilligen Zertifizierungssystemen für RFNBO. Die Zertifizierung bestätigt, dass die bei ERA ONE produzierten e-Fuels aus erneuerbaren, nicht biogenen Quellen stammen. Über den gesamten Lebenszyklus verursachen sie mindestens 70 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als fossile Kraftstoffe. Zusätzlich schafft die Zertifizierung eine geprüfte Chain of Custody. Kunden, Abnehmer und Regulierungsbehörden erhalten damit Nachweise, die über freiwillige Angaben hinausgehen.
Tim Böltken, CEO und Mitgründer des Unternehmens, ordnet den Schritt ein: „Dieser Meilenstein zeigt, dass Regulierung, Zertifizierung und industrielle Produktion nun zusammenkommen. Mit der ISCC-EU-Zertifizierung sind die e-Fuels aus der ERA ONE nicht nur technisch verfügbar, sondern auch regulatorisch für den Markt anerkannt.“
Seit der Inbetriebnahme 2025 stellt das Karlsruher Unternehmen dort synthetischen Kraftstoff im industriellen Maßstab her. Die ERA ONE gilt als größte kommerzielle PtL-Anlage Europas und produziert bis zu 2.500 Tonnen e-Fuels pro Jahr. Parallel fertigt das Unternehmen weiterhin Power-to-X-Anlagen.
Vorbereitung auf verbindliche RFNBO-Quoten
Die Zertifizierung fällt in eine entscheidende Phase für den europäischen Markt. Im Zuge der RED III treten die ersten verbindlichen RFNBO-Unterquoten schrittweise in Kraft. Dadurch entsteht eine konkrete Nachfrage nach synthetischen Kraftstoffen mit nachweisbar erneuerbarem Ursprung.
Mit der frühzeitigen Zertifizierung will Ineratec sicherstellen, dass die e-Fuels aus der Anlage in Frankfurt auf diese Verpflichtungen angerechnet werden können, sobald die Quoten greifen. Für Fluggesellschaften, Reedereien und industrielle Abnehmer reduziert dies regulatorische Risiken. Langfristige Abnahmevereinbarungen erhalten dadurch mehr Planungssicherheit.
Die Praxistauglichkeit zertifizierter e-Fuels zeigte sich bereits im Juni. Dort kam erstmals Kraftstoff aus der ERA ONE über eine bestehende Infrastruktur auf einem Passagierflug von Amsterdam nach Hamburg zum Einsatz.
Ausbau der Wertschöpfungskette geplant
Für Anfang 2027 plant das Unternehmen die Installation und ISCC-EU-Zertifizierung eigener Upgrading-Einheiten bei ERA ONE. Die zusätzlichen Einheiten sollen die zertifizierte Wertschöpfungskette erweitern und den Anteil direkt vor Ort produzierter, marktreifer Kraftstoffe erhöhen.
Mit der vorhandenen Anlage und den geplanten Upgrading-Kapazitäten will der Betreiber eine Grundlage für den weiteren Markthochlauf synthetischer Kraftstoffe in Europa schaffen.