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06.08.2026

Individuelle Energiespartipps für hessische Jugendherbergen

Fachlich fundierte Impulse rund um Heizung, Photovoltaik und Stromsparpotenziale: Bei einem persönlichen Energiegespräch in der Jugendherberge Fulda gibt Energieberater Robert Weicht von der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) praxisnahe Tipps für DJH-Häuser in Hessen. Die neutrale Beratung hilft den sozialen Einrichtungen beim Kostensparen.

© Benjamin Jungbluth

Es ist ein komplexes Gewirr aus Leitungen und Rohren, das sich im Heizungskeller der Jugendherberge Fulda verzweigt: Denn die vier Brennkessel versorgen dort nicht nur den denkmalgeschützten Altbau aus den 1930er Jahren samt Küche und Speisesaal, sondern auch den 2008 errichteten Neubau mit weiteren Zimmern und Tagungsräumen. „Dazwischen liegt außerdem unser verglaster Mittelbau mit Rezeption und Cafeteria“, zählt Herbergsleiter Dirk Voortmann die vielen Bereiche des traditionsreichen 174-Betten-Hauses auf, die alle vom zentralen Heizsystem versorgt werden. „Da fällt es manchmal gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Dabei ist das Thema Energiesparen für uns Jugendherbergen sehr wichtig – aus Klimaschutzgründen, aber auch rein finanziell, um die immer höheren Energiekosten auszugleichen.“

Deshalb ist an diesem Vormittag Robert Weicht zu Besuch in der mittelhessischen Barockstadt: Als Seniorberater Energieeffizienz für Unternehmen der HTAI ist der Diplom-Ingenieur regelmäßig in ganz Hessen unterwegs, um mit individuellen, neutralen und praxisnahen Energiegesprächen bei Firmen, Institutionen und Einrichtungen direkt vor Ort zu helfen. „Ich mache mich gemeinsam mit den Verantwortlichen auf die Suche nach ungenutzten Potenzialen und Optimierungsmöglichkeiten, gebe erste Impulse und stelle Kontakte zu Anlaufstellen her – alles mit dem Ziel, das umfangreiche Thema Energiesparen praxisnah und verständlich zu gestalten“, erklärt Weicht.

Immer den Einzelfall im Blick
Oft geht es dabei um Kleinigkeiten, die ohne großen Aufwand umgesetzt werden können, manchmal aber auch um das große Ganze und die Frage, wie langfristige Planungen aussehen könnten. „Am Ende kommt es immer auf den jeweiligen Einzelfall an, denn bei energetischen Themen gibt es keine pauschalen Standardlösungen: Jedes Unternehmen ist ein Unikat und über die Jahre gewachsen, weshalb man sich vor Ort einen Überblick verschaffen muss“, sagt Robert Weicht.
Das gilt auch für den großen Heizungskeller der Fuldaer Jugendherberge. Durch die Generalsanierung des Altbaus und die große Erweiterung vor knapp 20 Jahren ist das System zwar schon deutlich effizienter, aber eben auch komplexer geworden. Doch mit seinem geschulten Blick und durch den Einsatz einer Wärmebildkamera gewinnt Robert Weicht schnell den Überblick. „Das sieht alles noch ziemlich gut aus, die Technik läuft rund und wird regelmäßig gewartet. Nur bei der Dämmung der Heizungsrohre gibt es ein paar Schwachpunkte: Da wäre mit wenig Einsatz viel gewonnen, denn so geht leider wertvolle Wärme ungenutzt verloren“, erklärt Weicht.

Vor allem Haustechniker Michael Müller und Leitungsassistent Jan Becker hören aufmerksam zu: Sie sind in Fulda für das Tagesgeschäft und die konkrete Umsetzung der Energiespartipps verantwortlich. „Es sind oft die Kleinigkeiten, die bei uns im Arbeitsalltag etwas untergehen: Wie das Stück Isolierung, das so nah am Kellerausgang angebracht ist, dass unsere Mitarbeiter immer mal wieder daran hängen bleiben und es so Stück für Stück abnutzen. Das können wir mit einer anderen Konstruktion schnell beheben“, sagt Jan Becker, während er sich die Schwachstelle notiert.

An kleinen Stellschrauben drehen
Auch eine grundlegende Umstellung der Heiztechnik hat die Jugendherberge Fulda im Blick: Weg vom Gas und hin zu nachhaltigen Lösungen – zum Beispiel mit einer Wärmepumpe oder dem Einsatz von Pellets oder Holzhackschnitzeln. „Das hätte natürlich den größten Effekt und perspektivisch wird das sicher kommen. Als soziale Einrichtung müssen wir allerdings schauen, dass derartige Großinvestitionen finanziell umsetzbar sind und nicht am Ende zu sehr auf unsere Preise durchschlagen“, gibt Herbergsleiter Dirk Voortmann zu bedenken.

„Unternehmen und Institutionen müssen immer rechnen, wie sie Investitionen in die Energieeffizienz wirtschaftlich abbilden können. Deshalb achten wir bei unseren Energiegesprächen darauf, auch an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen, die sich direkt bezahlbar und so Lust auf mehr machen“, sagt Energieberater Robert Weicht. Und diese Stellschrauben finden sich manchmal in völlig unerwarteten Bereichen: Beim Gang durch die Jugendherberge fällt dem Fachmann der Aufzug im Neubau auf.

„Bis zu fünf Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes können durch den Aufzug verursacht werden – obwohl er die meiste Zeit gar nicht genutzt wird, sondern im Standby-Modus wartet. Wenn man in betriebsarmen Zeiten die Steuerung und die Frequenzregelung herunterfährt, kann man Strom sparen und hat lediglich ein paar Sekunden längere Wartezeiten“, rät Robert Weicht. Gerade Hotels mit ihren langen nächtlichen Ruhezeiten haben nach einem Energiegespräch mit dem Seniorberater der HTAI diesen simplen Trick bereits umgesetzt – und auch Jugendherbergen können davon problemlos profitieren.

Hessischer Landesverband gibt jungen Gästen spielerisch Tipps
Ohnehin setzen der hessische Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) und seine Mitglieder schon lange auf einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. In Fulda geben kleine Aufkleber den meist jungen Gästen spielerisch Tipps, wie sie dazu beitragen können: das Licht ausschalten, das Wasser beim Zähneputzen abstellen oder nicht zu lange duschen. Hinzu kommen gezielte Investitionen in die Haustechnik und die regelmäßige Wartung, aber auch Wassersparvorrichtungen in den Duschen und Heizkörper mit begrenzter Maximalleistung.

Es sind deshalb eher die unscheinbaren Bereiche, in denen Robert Weicht bei seinem Rundgang fündig wird – so wie bei der alten Lüfterheizung im hinteren Teil des Kellers. Eigentlich hat das Team der Jugendherberge hier schon auf vieles geachtet: Bewegungsmelder steuern das Licht und verhindern, dass es versehentlich angelassen wird. Und die energieintensive Zusatzheizung wird nur in ganz seltenen Fällen eingeschaltet, wenn es draußen besonders kalt ist. Doch der Experte kann mit seiner Wärmebildkamera seinen Verdacht schnell bestätigen: Durch das System läuft trotzdem noch rund 30 Grad warmes Wasser – rund um die Uhr. „Das ist bei gängigen Lüfterheizungen selbst nach Abschalten des Lüfters oft der Fall. Mit dem Einbau eines Magnetventils lässt sich das verhindern. Und durch die erzielte Energieeinsparung amortisieren sich die Einbaukosten innerhalb kurzer Zeit.“
Manchmal hilft allerdings auch nur das große Besteck, um zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen. Davon kann an diesem Tag Maik Schäfer berichten, der zwei Jugendherbergen in Nordhessen leitet und extra nach Fulda gekommen ist, um sich beim Energiegespräch Tipps zu holen. „Wir Jugendherbergen haben oft ganz ähnliche Themen und Probleme, deshalb ist dieser Austausch heute so hilfreich“, sagt Schäfer. Bei seinen beiden Einrichtungen in Korbach und Willingen gibt es allerdings teilweise einen deutlich größeren Investitionsstau als in Fulda. „Das nutzen wir jetzt bewusst für gezielte Maßnahmen: Wir erneuern teilweise die kompletten Dächer und bekommen anschließend eine Photovoltaikanlage, mit der wir künftig einen Großteil unseres Strombedarfs klimaneutral und kostengünstig decken können“, so Schäfer.

Sonnenstrom vom Dach ohne eigene Investitionen
Von Energieberater Robert Weicht erhält er für das Projekt noch zwei wichtige Impulse. „Das Landesnetzwerk BürgerEnergieGenossenschaften Hessen und die Zentrale Pfarreivermögensverwaltung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sind gute Anlaufstellen, wenn Unternehmen oder Institutionen größere Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach errichten möchten. An sie kann man seine Flächen verpachten und dann vergünstigten Sonnenstrom einkaufen, wodurch keine eigenen Finanzmittel für die Maßnahme nötig sind. Und wenn für die Eigennutzung noch ein Stromspeicher geplant ist, sollte man auf einen Lithium-Eisenphosphat-Speicher achten: Diese Technik bietet deutlich bessere Ladezyklen, ist langlebiger und äußerst brandsicher“, rät Weicht.

Am Ende des Rundgangs haben die Teams der hessischen Jugendherbergen eine ganze Liste an Ansatzpunkten samt passender Anlaufstellen, um das Energiesparen noch weiter zu optimieren. „Wir sind zwar schon sehr aktiv, aber der fachliche Blick von außen ist eine große Hilfe: Wir sind auf einem guten Weg und können trotzdem noch an einigen Stellen etwas tun“, zieht Jan Becker von der Jugendherberge Fulda ein durchweg positives Fazit. Und für Maik Schäfer von den Jugendherbergen Korbach und Willingen ist es vor allem der lockere Stil von Energieberater Robert Weicht, der ihn zum Handeln motiviert: „Das war kein langweiliger Vortrag, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe und mit sehr viel Praxisbezug – da können wir viele konkrete Impulse mitnehmen und sie innerhalb unseres Verbandes weitertragen.“

Jugendherberge Fulda
Foto: Robert Weicht
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