Ein Transformationsplan ist ein strategischer Fahrplan, der Unternehmen dabei unterstützt ihre Prozesse und Geschäftsmodelle im Einklang mit den regulatorischen Vorgaben langfristig klimaneutral und zukunftsfähig auszurichten. Er zeigt insbesondere Maßnahmen auf, die zur Dekarbonisierung und zur Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs beitragen.
Ein vollständiger Transformationsplan sollte folgende Elemente enthalten:
Ist-Analyse
Wo stehen wir heute?
Zielbild
Wo wollen wir hin?
Maßnahmen
Was tun wir konkret?
Finanzierung
Wie finanzieren wir das?
Schritt für Schritt zum Transformationsplan
1. Ist-Analyse: Wo stehen wir heute?
Ausgangspunkt jeder Transformationsplanung ist eine strukturierte Bestandsaufnahme. Ihr Ziel ist zunächst ein belastbarer Überblick über die wesentlichen Handlungsfelder:
- Welchen Klima-, Markt- und Lieferkettenrisiken ist das Unternehmen ausgesetzt?
- Wo liegen die größten Kosten- und Emissionstreiber?
- Welche Abhängigkeiten bestehen bei Energie, Rohstoffen oder Lieferanten?
Für den Einstieg genügt eine pragmatische Einschätzung der wichtigsten Einflussfaktoren. Daten und Analysen können im weiteren Verlauf schrittweise ergänzt und vertieft werden.
Leitfrage: Wo steht das Unternehmen heute und in welchen Bereichen besteht der größte Handlungsbedarf?
Ergebnis: Ein strukturierter Überblick über wesentliche Risiken, Energieverbräuche und Emissionsquellen sowie daraus resultierende Handlungsfelder. Auf dieser Grundlage können im nächsten Schritt realistische Ziele definiert werden.
Am Beispiel einer Bäckerei: Die Backöfen werden mit Gas betrieben und haben einen hohen Energieverbrauch. Das Mehl wird überwiegend von einem einzelnen Händler bezogen, der Getreide teilweise außerhalb Europas einkauft. Gleichzeitig konzentriert sich das Sortiment auf Weißmehlprodukte; für die Herstellung alternativer Brotsorten fehlen bislang entsprechende Kompetenzen im Team.
2. Zielbild: Wo wollen wir hin?
Auf Grundlage der Bestandsaufnahme wird ein realistisches Zielbild für die weitere Entwicklung des Unternehmens formuliert. Es beschreibt, was kurz-, mittel- und langfristig erreicht werden soll – beispielsweise mit Blick auf das Geschäftsmodell, sowie den Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen THG-Emissionen.
Die Ziele sollten sich an den identifizierten Risiken und Handlungsfeldern orientieren und im Einklang mit regulatorischen Vorgaben stehen (bspw. Klimaneutralität bis 2045). Die Zielsetzung sollte ambitioniert, aber erreichbar sein und anhand konkreter Zielgrößen und Zeithorizonte gemessen werden können. Dabei können unterschiedliche Entwicklungspfade betrachtet und die Ziele bei neuen Erkenntnissen schrittweise angepasst werden.
Leitfrage: Wie soll das Unternehmen in einem, drei und fünf Jahren aufgestellt sein und welche messbaren Veränderungen sollen bis dahin erreicht werden?
Ergebnis: Es entsteht ein konkretes und zeitlich gestaffeltes Zielbild mit priorisierten Transformationszielen. Dieses bildet die Grundlage, um im nächsten Schritt geeignete Maßnahmen und Investitionen zu identifizieren und hinsichtlich ihrer Wirkung und Umsetzbarkeit zu bewerten.
Am Beispiel einer Bäckerei: Die Bäckerei möchte ihr Sortiment schrittweise auf Dinkel-, Roggen-, Vollkorn- und Sauerteigprodukte ausrichten und den Anteil an Sauerteigprodukten innerhalb von fünf Jahren auf 50 Prozent erhöhen. Zugleich soll Mehl verstärkt von regionalen Mühlen, die heimisches Getreide verarbeiten, bezogen werden, um Lieferkettenrisiken zu reduzieren. Ergänzend wird das Ziel gesetzt, den Energieverbrauch je produziertes Brot innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent zu senken.
3. Maßnahmen: Was tun wir konkret?
Ausgehend vom Zielbild werden konkrete Maßnahmen abgeleitet und priorisiert. Entscheidend ist nicht die Vollständigkeit, sondern die Auswahl derjenigen Maßnahmen, die den größten Beitrag zur Zielerreichung leisten und zugleich realistisch und wirtschaftlich umsetzbar sind.
Die Priorisierung sollte insbesondere anhand der Kriterien Wirkung, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit erfolgen. Die ausgewählten Maßnahmen werden anschließend zeitlich eingeordnet und mit den erforderlichen Investitionen und Ressourcen hinterlegt. So entsteht ein konkreter Fahrplan für die kurz-, mittel- und langfristige Umsetzung.
Leitfrage: Welche Maßnahmen leisten mit vertretbarem Aufwand den größten Beitrag zur Erreichung unserer Transformationsziele?
Ergebnis: Hier ergibt sich ein priorisierter und zeitlich strukturierter Maßnahmenplan, der aufzeigt, welche Schritte umgesetzt werden sollen und welche Investitionen und Ressourcen hierfür erforderlich sind. Damit entsteht zugleich eine Grundlage für die anschließende Finanzierungsplanung.
Am Beispiel einer Bäckerei: Kurzfristig werden geeignete regionale Mühlen identifiziert, die nachweislich heimisches Getreide verarbeiten. Mittelfristig werden Mitarbeitende in der Verarbeitung von Sauerteig geschult und erforderliche Investitionen, etwa in geeignete Gärtechnik, geprüft. Langfristig wird die Umstellung der gasbetriebenen Backöfen auf energieeffiziente elektrische Backtechnik vorbereitet und umgesetzt.
4. Finanzierung: Wie finanzieren wir die Maßnahmen?
Auf Basis des Maßnahmenplans wird der Finanzierungsbedarf ermittelt und eine geeigneter Finanzierungsmix zusammengestellt. Dabei wird geprüft, welche Investitionen aus Eigenmitteln getragen werden können und wo Kredite, Förderprogramme oder weitere Finanzierungsinstrumente sinnvoll sind. Den erforderlichen Investitionen werden erwartete Einsparungen und zusätzliche Erlöse gegenübergestellt, um die finanzielle Tragfähigkeit darzulegen. Ein nachvollziehbarer Finanzierungsplan erleichtert die Verhandlungen mit Banken und anderweitigen Finanzierungspartnern.
Leitfrage: Welcher Finanzierungsbedarf entsteht und wie lässt er sich wirtschaftlich tragfähig decken?
Ergebnis: Sie erhalten einen Finanzierungsplan, der Investitionsbedarfe, erwartete Einsparungen und Erlöse sowie Finanzierungsquellen (Eigen-, Fremd- und Fördermittel) aufzeigt und somit die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Transformation belegt.
Am Beispiel einer Bäckerei: Für neue Gärtechnik und elektrische Backöfen werden Investitionskosten den erwarteten Energieeinsparungen und zusätzlichen Erlösen gegenübergestellt. Schulungen werden aus Eigenmitteln, die Gärtechnik über ein Bankdarlehen finanziert. Für die neuen Backöfen werden ergänzend geeignete Förderprogramme geprüft.
5. Verantwortlichkeiten und Monitoring: Wer setzt den Plan um?
Zuständigkeiten für Maßnahmen, Investitionen und Finanzierung sollten eindeutig zugeordnet und der Fortschritt regelmäßig überprüft werden. Dabei wird bewertet, ob Ziele und Maßnahmen erreicht werden oder ob Anpassungen erforderlich sind. So wird der Transformationsplan kontinuierlich weiterentwickelt.
Leitfrage: Wer ist wofür verantwortlich und wie überprüfen wir regelmäßig den Fortschritt?
Ergebnis: Klare Zuständigkeiten und ein regelmäßiger Überprüfungsprozess sind wichtig, um Fortschritte zu messen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und den Transformationsplan bei Bedarf anzupassen.
Am Beispiel einer Bäckerei: Geschäftsführung und leitende Bäckerin teilen die Verantwortlichkeiten für Lieferantenauswahl, Sortimentsumstellung und Investitionen untereinander auf. Quartalsweise prüfen sie den Umsetzungsstand, die Entwicklung zentraler Kennzahlen und möglichen Anpassungsbedarf.