Auf Basis der vorangegangenen Unternehmensanalyse und des entwickelten Zielbildes werden im nächsten Schritt der Transformationsplanung Maßnahmen identifiziert, bewertet und anhand ihrer Wirkung, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit priorisiert.
Der erste Schritt umfasst das Sammeln von potenziellen Maßnahmen und Ideen. Dazu können verschiedene Quellen genutzt werden.
An erster Stelle stehen unternehmenseigene Daten und Erfahrungsberichte der Mitarbeitenden, die mit den einzelnen Prozess- und Produktionsschritten bestens vertraut sind. Ergänzend können Branchenberichte, Leitfäden, Wettbewerbsanalysen oder Erfolgsbeispiele aus Unternehmensnetzwerken herangezogen werden.
Im Zeitalter des maschinellen Lernens können auch generative KI-Chatbots dabei unterstützen, Maßnahmen zur Bewältigung der individuellen Herausforderungen zu ermitteln. KI-Chatbots sind insbesondere für eine erste Ideengenerierung sehr nützlich. Dazu benötigen sie jedoch detaillierte Angaben zum Geschäftsmodell und zu den ermittelten Risiken und Emissionstreibern. Die generierten Vorschläge sind einer sorgfältigen manuellen Prüfung zu unterziehen.
Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Emissionstreibern (exemplarisch)
Vermeiden und reduzieren
Exposition verringern, etwa durch eine geeignete Standortwahl oder die Diversifizierung von Lieferanten.
Widerstandsfähigkeit erhöhen
Anfälligkeit senken, beispielsweise durch bauliche und technische Anpassungen.
Risiken übertragen
Finanzielle Folgen auslagern, etwa durch Elementarschaden-versicherungen oder vertragliche Regelungen.
Beobachten und vorbereiten
Weniger dringliche Risiken im Blick behalten, Frühwarnindikatoren festlegen und Maßnahmen vorbereiten.
Scope 1: Direkte Emissionen aus unternehmenseigenen Anlagen
- Mögliche Maßnahmen: Smarte Thermostate einsetzen, Produktionsabwärme nutzen und Umstellung auf Wärmepumpen prüfen.
- Positive Nebeneffekte: Geringere Abhängigkeit von schwankenden Gas- und Ölpreisen sowie höhere Ausfallsicherheit.
Firmenfuhrpark
- Mögliche Maßnahmen: Fahrzeugflotte schrittweise elektrifizieren und eine eigene Ladeinfrastruktur aufbauen.
- Positive Nebeneffekte: Schutz vor Kraftstoffengpässen und geringere Wartungsanfälligkeit bei Elektrofahrzeugen.
Produktionsprozesse
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Mögliche Maßnahmen: Effizientere Anlagen einsetzen, Prozesswärme zurückgewinnen und technisch geeignete Prozesse elektrifizieren.
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Positive Nebeneffekte: Niedrigere Energiekosten, effizientere Anlagen und Prozesse sowie geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Scope 2: Emissionen aus eingekaufter Energie
- Mögliche Maßnahmen: Umrüstung auf LED-Technik, Installation von Bewegungs- und Präsenzmeldern in Fluren.
- Positive Nebeneffekte: Längere Lebensdauer der Leuchtmittel.
Eingekaufter Strom
- Mögliche Maßnahmen: Eigenerzeugung durch Photovoltaikanlagen, Umstellung auf Ökostrom.
- Positive Nebeneffekte: Höhere Unabhängigkeit, Synergien mit elektrischem Fuhrpark.
Wichtig: Emissionstreiber sind häufig zugleich Kostentreiber und unternehmerische Risiken. Investitionen in die Dekarbonisierung können sich daher bereits nach wenigen Jahren rechnen.
Bewerten Sie die identifizierten Maßnahmen im nächsten Schritt anhand einheitlicher Kriterien. Im Mittelpunkt stehen Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit. So lassen sich unterschiedliche Maßnahmen vergleichbar machen und diejenigen priorisieren, die einen hohen Beitrag zu den Transformationszielen leisten und zugleich realistisch umgesetzt werden können. Die Bewertung kann zunächst qualitativ oder anhand einer einfachen Punkteskala erfolgen und für größere Investitionen anschließend vertieft werden.
- Wirksamkeit: Wie stark trägt die Maßnahme zur Erreichung der definierten Ziele bei? Je nach Zielsetzung können beispielsweise die erwartete Energie- oder Ressourceneinsparung, die THG-Minderung oder die Verringerung identifizierter Risiken betrachtet werden.
- Umsetzbarkeit: Wie realistisch lässt sich die Maßnahme im Unternehmen umsetzen? Berücksichtigt werden sollten insbesondere technische Verfügbarkeit und Komplexität, benötigte Kompetenzen und personelle Ressourcen, organisatorischer Aufwand sowie rechtliche oder regulatorische Voraussetzungen. Je nach Maßnahme können außerdem Zeitbedarf, Abhängigkeiten von Dritten oder Akzeptanz innerhalb des Unternehmens relevant sein.
- Wirtschaftlichkeit: Welche finanziellen Aufwendungen stehen dem erwarteten wirtschaftlichen Nutzen gegenüber? Neben der Anfangsinvestition sollten auch laufende Betriebs- und Wartungskosten, Einsparungen, zusätzliche Erlöse sowie gegebenenfalls vermiedene Schäden über die Nutzungsdauer berücksichtigt werden. Für größere oder langfristige Investitionen eignen sich dynamische Verfahren wie die Kapitalwertmethode. Da zukünftige Energiepreise, Einsparungen oder Erlöse häufig unsicher sind, sollten wesentliche Annahmen transparent dokumentiert und bei größeren Investitionen gegebenenfalls unterschiedliche Szenarien verglichen werden.
Hinweis: Maßnahmen können strategisch relevant sein, auch wenn ihr unmittelbarer finanzieller Nutzen begrenzt oder schwer quantifizierbar ist – etwa wenn sie kritische Abhängigkeiten reduzieren, neue Technologien oder Märkte erschließen oder das Unternehmensimage stärken. Die strategische Bedeutung sollte daher ergänzend zu den operativen und finanziellen Kriterien bedacht werden.
Beziehen Sie betroffene Mitarbeitende mit relevantem Fach- und Erfahrungswissen frühzeitig ein. Dies verbessert die Praxisnähe der Bewertung und kann die Akzeptanz der Maßnahmen fördern.
3. Erstellung einer Roadmap
- Vom Zielbild rückwärts planen: Ordnen Sie die priorisierten Maßnahmen entlang Ihrer kurz-, mittel- und langfristigen Ziele. Planen Sie vom angestrebten Zielbild rückwärts und prüfen Sie, welche Maßnahmen und Voraussetzungen für die jeweiligen Zwischenziele erforderlich sind. Berücksichtigen Sie dabei auch Abhängigkeiten und eine sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen. So vermeiden Sie kurzfristige Entscheidungen, die langfristig nicht zum Zielpfad passen.
- Investitionszyklen und Ressourcen berücksichtigen: Stimmen Sie die Roadmap möglichst mit anstehenden Ersatz- und Investitionsentscheidungen ab. Der ohnehin geplante Austausch einer Maschine, einer Heizung oder eines Fahrzeugs kann ein geeignetes Zeitfenster für Veränderungen bieten. Berücksichtigen Sie dabei auch die Verfügbarkeit von Finanzmitteln, Personal und Know-how.
- Zielkonformität des Gesamtpfads prüfen: Betrachten Sie nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern deren Zusammenspiel über die Zeit. Reichen die vorgesehenen Maßnahmen voraussichtlich aus, um die Zwischen- und Langfristziele zu erreichen? Bestehen Lücken oder erschweren einzelne Entscheidungen die spätere Zielerreichung? Diese Gesamtbetrachtung unterscheidet die Roadmap von einer reinen Maßnahmenliste.
- Verantwortlichkeiten und Meilensteine festlegen: Weisen Sie den einzelnen Maßnahmen klare personelle Verantwortlichkeiten zu und legen Sie konkrete Meilensteine und Termine fest. So ist eindeutig, wer die Umsetzung vorantreibt und den Fortschritt nachhält. Überprüfen Sie die Roadmap regelmäßig anhand der erreichten Meilensteine sowie in Hinblick auf veränderte Rahmenbedingungen und passen Sie Maßnahmen bei Bedarf an.
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