Finanzierung & Förderung strategisch nutzen

Die Umsetzung des erarbeiteten Transformationsplans erfordert Investitionskapital. Zunächst stellt sich die Frage, ob dem Unternehmen zur Umsetzung von Maßnahmen ausreichend Eigenmittel zur Verfügung stehen. Bei größerem Investitionsbedarf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass externes Kapital benötigt wird.

Finanzierungskonditionen können die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen und die Gesamtkosten der Transformation erheblich beeinflussen. Daher ist es empfehlenswert, sich frühzeitig mit Finanzierungsoptionen und verfügbaren Förderprogrammen auseinanderzusetzen.

Üblicherweise kommt zur Umsetzung des Transformationsplans ein Finanzierungsmix zum Einsatz, der auf die Situation des Unternehmens abgestimmt ist. Eigenmittel, Investitionskredite und gegebenenfalls Fördermittel übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben. Welche Kombination vorteilhaft ist, hängt vom Kapitalbedarf, der verfügbaren Liquidität, den Sicherheiten und der Fähigkeit ab, Zinsen und Tilgung zu leisten.

Zentrale Schritte und Instrumente zur Erstellung eines Finanzierungsplans

1. Kapitalbedarf und verfügbare Eigenmittel ermitteln

Ermitteln Sie zunächst, wie viel Kapital Sie für welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt benötigen. Berücksichtigen Sie neben Anschaffungskosten auch Ausgaben für Installation, Schulungen und mögliche Produktionsunterbrechungen. Stellen Sie diesen Kosten die erwarteten Einsparungen und zusätzlichen Einnahmen gegenüber (s. Kapitel Maßnahmen priorisieren).

Prüfen Sie anschließend, welche Eigenmittel Sie einsetzen können, ohne die Zahlungsfähigkeit im laufenden Betrieb zu gefährden. Halten Sie eine Reserve für unerwartete Ausgaben und verzögerte Einnahmen vor. Daraus ergibt sich, welcher Betrag durch weitere Finanzierungsinstrumente gedeckt werden muss. Auch bei ausreichenden Eigenmitteln kann eine ergänzende Kreditfinanzierung sinnvoll sein, um Liquidität für das Tagesgeschäft und weitere Investitionen zu erhalten.

2. Kredite und Fördermittel passend kombinieren

Für den verbleibenden Kapitalbedarf kommen Investitionskredite von Banken und Sparkassen sowie öffentliche Förderdarlehen und Zuschüsse infrage.

Prüfen Sie Fördermöglichkeiten, bevor Sie Aufträge vergeben oder verbindliche Verträge schließen. Viele Programme verlangen einen Antrag vor Vorhabenbeginn; teilweise müssen Sie zusätzlich die Förderzusage abwarten. Klären Sie die Bedingungen des jeweiligen Programms frühzeitig mit der Förderstelle oder Ihrer finanzierenden Bank. Bringen Sie in Erfahrung, welche Fördermittel kombiniert werden dürfen und welche Förderhöchstgrenzen gelten.

Zuschüsse reduzieren den Betrag, den Ihr Unternehmen selbst oder über Kredite finanzieren muss. Sie decken häufig einen Teil der förderfähigen Ausgaben und müssen bei Einhaltung der Förderbedingungen nicht zurückgezahlt werden. Wie der verbleibende Anteil finanziert werden darf, richtet sich nach dem jeweiligen Programm. Prüfen Sie außerdem den Auszahlungszeitpunkt: Wird der Zuschuss erst nach Abschluss der Maßnahme ausgezahlt, müssen Sie die Ausgaben vorfinanzieren.

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Zinsverbilligte Förderdarlehen können die Finanzierungskosten senken. Tilgungsfreie Anlaufjahre können helfen, wenn die Investition erst mit Verzögerung Erträge erzielt.

3. Bei fehlenden Sicherheiten oder knapper Eigenkapitalbasis

Fehlen für einen wirtschaftlich tragfähigen Investitionskredit ausreichende Sicherheiten, kann eine Bürgschaft den Kreditzugang erleichtern. Sie stellt selbst kein zusätzliches Kapital bereit und entbindet Ihr Unternehmen nicht von der Rückzahlung des Kredits.

Beteiligungskapital kann die Eigenkapitalbasis stärken und zusätzlichen Finanzierungsspielraum schaffen. Prüfen Sie dafür die Vergütung, mögliche Mitspracherechte und die Bedingungen für den späteren Ausstieg des Kapitalgebers. Ob eine Beteiligung passt, hängt auch davon ab, welche Unternehmensentwicklung Sie planen und welche Rechte Sie abgeben möchten.

4. Den Finanzierungsmix verbindlich planen

Führen Sie die ausgewählten Instrumente in einem Finanzierungsplan zusammen. Halten Sie für jede Maßnahme fest, welche Beträge aus welcher Quelle kommen, wann sie verfügbar sind und welche laufenden Zahlungen daraus entstehen.

Bei einer Maschineninvestition könnten beispielsweise Eigenmittel einen Teil der Anschaffung decken, ein Zuschuss den Finanzierungsbedarf reduzieren und ein Investitionskredit den Restbetrag finanzieren. Reichen die Sicherheiten nicht aus, kann eine Bürgschaft den Kredit ergänzen. Entscheidend ist, dass die Kombination zu Ihrer Liquidität und Rückzahlungsfähigkeit passt.

Tipp: Nutzen Sie vorab die kostenfreie Förderberatung des Landes Hessen in der WIBank, um sich einen Überblick über relevante Programme, Voraussetzungen, Konditionen und Antragswege zu verschaffen

Vorbereitung auf Finanzierungsgespräche

Finanzinstitute müssen im Rahmen ihrer Risikoplanpflicht nachvollziehen, wofür Sie Kapital benötigen, wie Sie den Kredit zurückzahlen und welche Risiken mit der Kreditvergabe verbunden sind. Bereiten Sie dafür konkrete Zahlen und belastbare Antworten vor.

Finanzierungsbedarf beziffern

Benennen Sie Investition, Kosten und Zeitplan. Zeigen Sie, welche Eigenmittel verfügbar sind und welchen Kreditbetrag Sie benötigen. Berücksichtigen Sie eine Liquiditätsreserve.

Vorhaben erläutern

Was verbessert die Investition konkret? Welche Einsparungen oder Erlöse sind belegt?

Unterlagen vorab zusammenstellen

Klären Sie mit der Bank, welche Dokumente erforderlich sind. Dazu gehören insbesondere Jahresabschlüsse, aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA), Ertrags- und Liquiditätsplanung sowie eine Übersicht bestehender Kredite und Sicherheiten.

Rückzahlung nachvollziehbar machen

Erläutern Sie anhand realistischer Planzahlen, wie Sie Zinsen und Tilgung erwirtschaften. Begründen Sie erwartete Umsätze und Einsparungen. Die Bank beurteilt anhand Ihrer Geschäftszahlen, wie verlässlich Ihr Unternehmen den Kredit zurückzahlen kann. Diese Bewertung beeinflusst Zinssatz, Kreditrahmen und weitere Bedingungen. Bereiten Sie insbesondere folgende Kennzahlen vor:

  • Eigenkapitalquote: Wie viel Prozent des Unternehmensvermögens sind durch Eigenkapital finanziert? Eine höhere Quote verbessert in der Regel die Fähigkeit, Verluste aufzufangen.
  • Verschuldungsgrad: Wie hoch sind die Schulden im Verhältnis zum Eigenkapital? Eine hohe Verschuldung kann den Spielraum für zusätzliche Kredite begrenzen.
  • Umsatzentwicklung: Wachsen oder sinken Ihre Erlöse? Begründen Sie Veränderungen und belegen Sie Ihre Planung beispielsweise mit dem Auftragsbestand.
  • Cashflow: Welche Mittel erwirtschaftet Ihr Unternehmen aus dem laufenden Geschäft? Erläutern Sie, welcher Betrag für Zinsen und Tilgung verfügbar bleibt.
  • Liquidität: Reichen verfügbare Mittel und erwartete Einzahlungen aus, um fällige Rechnungen und Kreditraten zu bezahlen? Zeigen Sie mögliche Engpässe in Ihrer Liquiditätsplanung.
  • Ertragskraft, etwa EBITDA-Marge: Wie viel vom Umsatz bleibt vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen übrig? Erläutern Sie, wodurch sich Ihre Marge verändert.

 

Risiken und Gegenmaßnahmen erklären

Sprechen Sie Standortrisiken, Abhängigkeiten von Großkunden, Lieferengpässe oder steigende Kosten offen an. Zeigen Sie, wie Sie gegensteuern. Fragen Sie vorab, welche Nachhaltigkeitsinformationen die Bank benötigt.

Finanzierung und Konditionen verhandeln

Sprechen Sie Förderkredite und Bürgschaftsprogramme aktiv an. Vergleichen Sie Angebote hinsichtlich Zinsen, Gebühren, Laufzeiten, Tilgung und Sicherheiten. Prüfen Sie, ob zusätzliche Nachweise, kleinere Investitionsschritte oder andere Finanzierungspartner Ihre Finanzierungskonditionen verbessern können.

Unterstützungsangebote

Förderfinder der WIBank

Mit dem KI-basierten Förderfinder der WIBank können Sie das passende WIBank-Förderprodukt für Ihr Vorhaben ermitteln. 

KfW Produktfinder

Mit dem Produktfinder der KfW können Sie mit wenigen Klicks Förderprodukte für Ihr Vorhaben zu finden. 

Förderdatenbank des Bundes

Die Förderdatenbank des Bundes bietet einen Überblick über die verschiedenen Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

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