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Die Biowert Industrie GmbH betreibt im Odenwald eine Bioraffinerie

Ein nachhaltiger Rohstoff für Bioplastik wächst auf der Wiese: Zellulosefasern aus Gras eignen sich ideal für die Herstellung von Verbundkunststoffen. Biowert hat ein Verfahren entwickelt, das die Zellulosefasern ohne chemischen Aufschluss aus Wiesengras isoliert.

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Vom Gras zum Granulat

In ihrer Bioraffinerie im südhessischen Brensbach vergärt Biowert das Gras, wäscht die erhaltene Silage mit warmem Wasser, um Störstoffe zu entfernen, und presst sie zu einem Faserkuchen. Die getrockneten Fasern werden mit recycliertem Kunststoff vermischt und zu einem Granulat verarbeitet, das bis zu 75 Prozent aus Gras besteht. Alternativ können die Grasfasern mit einem Flammschutzmittel ausgerüstet und als Dämmstoff genutzt werden.

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Das Thema Transparenz wird auch für die Zukunft entscheidend sein. Wir können nicht einfach ein Produkt herstellen, wenn wir nicht wissen, woher der Rohstoff kommt und wie die Entsorgung aussieht.
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Dr. Michael Gass (1955-2019), Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Biowert Industrie GmbH
Dr. Michael Gass (1955-2019), Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Biowert Industrie GmbH
Dr. Michael Gass (1955-2019), Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Biowert Industrie GmbH
© privat
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Ideale Fasereigenschaften

Der Kunststoffindustrie bietet der innovative Verbundwerkstoff mehrere Vorteile: Grasfasern sind fester als andere Naturfasern, etwa aus Hanf oder Flachs. Zugleich lassen sie sich aufgrund ihres Fließverhaltens besser mit den gängigen Spritzguss- und Extrusionsverfahren der Kunststoffindustrie verarbeiten. Auf der Suche nach Rohstoffen, die den Kohlendioxid-Fußabdruck verringern, hat Cortec, ein Hersteller von Schaufensterpuppen, Kleiderständern und -bügeln, das Grasmaterial entdeckt. Das Unternehmen, eine halbe Autostunde südlich von Biowert gelegen, produziert aus dem Biokunststoff jetzt Kleiderbügel in verschiedenen Formen und Farben. Ein großer Sportartikelhersteller setzt die nachhaltigen Bügel bereits in seinen Läden ein. Auch für Terrassendielen, Stapelkisten und viele andere Produkte eignet sich der Biokunststoff.

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Hessen auf dem Weg in die biobasierte Wirtschaft

Biowert zählt weltweit zu den Pionieren der Bioökonomie. Das Unternehmen strebt eine vollständige Kreislaufwirtschaft an und kommt schon heute ohne Wasser und Strom aus den öffentlichen Netzen aus. Die benötigte Energie liefert eine Biogasanlage, die unter anderem das Presswasser aus der Fasergewinnung verwertet. Außerdem stammt nicht nur das Gras aus der Umgebung, sondern auch der zugesetzte Kunststoff, denn Biowert verwendet unter anderem Produktionsabfälle von Unternehmen der Kunststoffindustrie aus dem Odenwald. Mit Cortec als Partner gelingt zudem die regionale Verarbeitung des Biowerkstoffs. Solche Kooperationen spielen für das Schließen von Kreisläufen eine entscheidende Rolle. Das Technologieland Hessen unterstützt Unternehmen bei der Partnersuche, zum Beispiel mit Informations- und Vernetzungsplattformen wie der Veranstaltungsreihe „Bio. Innovationen. Stärken“.

Mehr zu Biowert auf S. 14 der Broschüre "Bioökonomie in Hessen"
Die Endlichkeit fossiler Rohstoffe, der Klimawandel und das weltweite Bevölkerungswachstum stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Lösungsansätze bietet unter anderem die industrielle Biotechnologie. Sie ermöglicht es, Rohstoffe aus Neben- und Abfallströmen zu gewinnen, Stoffkreisläufe zu schließen und chemische durch biotechnologische Prozesse zu ersetzen. Die industrielle Nutzung dieser Methoden kann einen wichtigen Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften, zu Klima- und Ressourcenschutz leisten. Die Bioökonomie vernetzt traditionelle Industrien und treibt Innovationen an. Bisweilen wird schon von einer Biologisierung der Industrie gesprochen.
veröffentlicht am 11.06.2019

Themen und Ansprechpartner im Technologieland Hessen

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Das Kompetenzfeld "Life Sciences & Bioökonomie" unterstützt Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und pharmazeutische Industrie. Zudem treibt es die Entwicklung der Bioökonomie voran, einer Wirtschaftsweise, die fossile Rohstoffe durch nachwachsende ersetzt. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf biotechnologischen Verfahren.
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